Aktuell: Musik in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels
Nov 09
2011 wird vor allem als das Jahr der Proteste, insbesondere der Proteste junger Menschen in die Geschichte eingehen. Nun drängt sich natürlich auch die Frage auf, ob die diesjährige Popmusik als musikalisches Symbol dieses Protest gedeutet werden kann.
Die Proteste, seien sie friedlicher, oder auch gewaltsamer Natur ebbten dieses Jahr nicht ab. Die Schauplätze dieser Proteste waren mannigfaltig und über den ganzen Globus verteilt. In London wurden Einkaufszentren in Brand gesetzt, die New Yorker Wall Street wurde von einer Horde twitternder Jungrevolutionäre besetzt und auf dem Tahir-Platz in Kairo warfen sich die Studenten selbstlos anrückenden Panzern entgegen.
Spiegelt sich der Spirit der Revolte, dieser internationale Aufschrei nach Veränderung auch in der diesjährigen Popmusik wieder ?
Schon in den wilden Zeiten der 60er/70er Jahre des vergangenen Jahrtausends war die Musik von Popgrößen wie Bob Dylan der Soundtrack zu Anti-Kriegs-Demos und Utopie-geschwängerten Sit-Ins. Ton-Steine-Scherben war der Sound der Hausbesetzer in den 70er Jahren und Public Enemy die aggressive musikalische Untermalung afroamerikanischer Proteste.
Doch was ist der Sound der Revolten im Jahre 2011? So vielfältig und verschieden die Proteste waren , so ist es auch mit der diesjährigen Musik. Es ist nicht zu weit gegriffen, wenn man den Rapsong des Tunesiers El Général als Motor des Kampfes gegen Präsident Ben Ali bezeichnet.
Den Soundtrack des Protests rund um den Tahir Platz lieferte Ramy Essam, dessen Lieder von einer aus Brettern zusammengebastelten Bühne die Menge aufforderte nicht aufzugeben.
Was die arbaischen Künstler vom europäischen Pop unterscheidet ist das die Verarbeitung des Protests in musikalischer Form für sie nicht automatisch ein Mehr an kommerziellem Erfolg bedeutet, sondern dass sie sich damit in existenzielle Gefahr begaben. Folter und Tod drohten ihnen.
Gegen diese Selbstaufopferung arabischer Musiker wirken die Gesten von Künstlern wie Kanye West, der sich in Designerklamotten zwischen den Protestler der “Occupy-Bewegung” zeigte, wie ein höhnische Parodie.
